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Trenne Dich nie von Deinen
Illusionen und Träumen.
Wenn sie verschwunden sind ,
wirst Du weiter existieren,
aber aufgehört haben zu
leben.
Mark Twain

Waldeinsamkeit
Oh,
schöne Zeit! wo voller Geigen Der Himmel hing,
wo Elfenreigen Und Nixentanz und
Koboldscherz Umgaukelt mein märchentrunkenes
Herz! Triumphespforten zu wölben
schienen Die Bäume des Waldes - Ich ging
einher, bekränzt, Als ob ich der Sieger
wäre!
Im Wald sind die
Elfen verschwunden, Jagdhörner hör
ich, Gekläffe von Hunden; Im Dickicht ist
das Reh versteckt, Das tränend seine Wunden
leckt. Wo sind die Alräunchen? Ich glaube,
sie halten Sich ängstlich verborgen
in Felsspalten. Ihr kleinen Freunde, ich
komme zurück, Doch ohne Kranz und ohne
Glück.
Wo ist die Fee mit den langen
Goldhaar, Die erste Schönheit, die mir hold
war? Der Eichenbaum, worin sie haust, Steht
traurig entlaubt, vom Winde
zerzaust.
Der Bach rauscht
trostlos gleich dem Styxe; Am einsamen Ufer
sitzt eine Nixe, Todblass und stumm, wie`n
Bild von Stein, Scheint tief in
Kummer versunken zu sein. Mitleidig tret ich
zu ihr heran - Da fährt sie auf und schaut
mich an, Und sie entflieht mit entsetzten
Mienen, Als sei ihr ein Gespenst
erschienen.
Heinrich Heine
(1797-1856) aus
"Waldeinsamkeit"
Der
Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke
Hand Da schlägt es Mitternacht im Land. Es
lauscht der Teich mit offenem Mund Ganz leise
heult der Schluchtenhund. Die Dommel reckt sich
auf im Rohr. Der Moosfrosch lugt aus seinem
Moor. Der Schneck horcht auf in seinem
Haus Desgleichen die Kartoffelmaus. Das
Irrlicht selbst macht Halt und Rast auf einem
windgebrochnen Ast. Sophie, die Maid, hat ein
Gesicht: Das Mondschaf geht zum
Hochgericht. Die Galgenbrüder wehn im
Wind. Im fernen Dorfe schreit ein Kind. Zwei
Maulwürf küssen sich zur Stund als Neuvermählte
auf den Mund. Hingegen tief im finstern
Wald ein Nachtmahr seine Fäuste
ballt: Dieweil ein später Wanderstrump sich
nicht verlief in Teich und Sumpf. Der Rabe Ralf
ruft schaurig: "Kra! Das End ist da! Das End
ist da!" Der Zwölf-Elf senkt die linke
Hand Und wieder schläft das ganze
Land.
Christian
Morgenstern

Die Elfen
Durch den Wald im
Mondenscheine sah ich jüngst die Elfen reiten;
ihre Hörner hört´ich klingen, ihre
Glöckchen hört´ich läuten
Ihre weißen
Rößlein trugen güldnes Hirschgeweih und flogen
rasch dahin wie wilde Schwäne Kam es durch
die Luft gezogen
Lächelnd nickt mir die
Königin, lächelnd im Vorüberreiten. Galt
das meiner neuen Liebe, oder soll es Tod
bedeuten?
H. Heine

Die
Elbenmaid
Einst lebte eine Elbenmaid So wie
der Morgen hold; Ihr Kleid, ihr Schuh war ein
Geschmeid Aus Silberglanz und Gold.
Auf
ihrer Stirne stand ein Stern, Im Haare spielte
Licht Wie auf den Hügeln Loriens fern, Die
Sonne heller nicht.
Ihr Haar fiel reich,
und gliederweiss, Und schön war sie und
frei Und bog sich wie ein junges Reis Im
Wind so sanft dabei.

Am Wasserfall von Nimrodel, Der
klar und kühl versprüht, Fiel sie mit ein wie
Silber hell Ins helle Wasserlied.
Heut
aber kennt sie keiner mehr Noch ihren
Aufenthalt; Sie fand nicht Weg noch
Wiederkehr Aus Wildnis, berg und
Wald.
Das Elbenschiff im hafen lag, Am
Berge sturmgeschützt, Und harrte ihrer um
Tag- Die See ging weissbemützt.

Ein Sturm kam auf von
Norden her Zur Nacht mit Urgewalt Und trieb
das Schiff hinaus aufs Meer Ins Dunkel
ungestalt.
Der Strand, der Berg verschwamm
im Dunst, Vertrübt und ungenau, Die Wogen
türmten sich in Brunst Und rollten schwer und
grau.
Noch schärfte Amroth seinen
Blick, Noch suchte er die Stell Das Schiff
verfluchend - nicht zurück Trug's ihn zu
Nimrodel.
 Er selber herrschte einst im
Wald, Ein König von Geblüt, Als Loriens
Macht noch golden galt Und elbisch sang das
Lied.
Nun schoss er wie ein schlanker
Pfeil Ins Wasser tief hinab Und tauchte
möwengleich und heil Hervor aus nassem
Grab.
Der Wind zerwühlte ihm das
Haar, Weiß flog der Schaum um ihn, Dann sah
man ihn wie einen Schwan Die Wogen reitend
ziehn.
 Doch drang kein Wort von Westen
her In unser Elbenland, Und keiner hörte
jemals mehr Von Amroth, der
entschwand.
J .R. R.
Tolkien

Elfenzauber
Nebel wallen
übers Gras,
Mondlicht
scheint ganz leise.
Elfen,
filigran wie Glas -
silberhelle
Weisen
klingen zart
wie Saitenklang
durch die
Sommernacht.
Ei, da wird
dem Teufel bang’,
wenn
Elfenzauber lacht.
Schleier wehen
übers Moor,
nach
Spinnenwebenart.
Hier schaut
und dort ein Troll hervor
und lauscht
den Klängen zart.
Das Böse, daß
nach oben strebt
aus dunkler
Höllenglut,
wird von den
Elfen eingewebt,
damit es Dir
nichts tut.
So schlafe
ruhig - Menschenkind
und sammle
Kraft und Mut.
Wenn zarte
Elfen um Dich sind,
geht es Dir
immer gut.
Beginne froh
den Tageslauf,
trag’ Lächeln
im Gesicht,
gib’ niemals
Deine Hoffnung auf,
vertrau’ dem
Elfenlicht.
Douglas Loesch

Der Rosenelf
Inmitten eines Gartens wuchs
ein Rosenstrauch der war ganz voller
Rosen und in einer davon, der schönsten von
allen,
wohnte ein Elf
Er war so winzig
klein dass kein menschliches Auge ihn sehen
konnte
Hinter jedem Blatt in der Rose
hatte er
eine Schlafkammer
Er war so
wohlgestalt und hübsch wie es nur ein Kind sein
kann und hatte Flügel an den Schultern hinab
bis zu den Füßen
Oh, welcher Duft war in
seinen Zimmern und wie schön und klar waren die
Wände - es waren ja die feinen blass roten
Rosenblätter
Hans Christian
Andersen
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